***Off THE RADAR CLUB*** live: Urlaub In Polen
***Off THE RADAR CLUB*** live: Urlaub In Polen

Bitte gehen Sie weiter, bitte bleiben Sie hier nicht stehen! Auch mehr als zwei
Jahrzehnte nach ihrer Gründung zelebrieren Urlaub in Polen eine in den
Projektnamen gegossene Ästhetik des Vorübergehenden, der zeitlich begrenzten
Erfahrung innerhalb eines kontinuierlichen Stroms aus neuen Eindrücken und sich
im Reisegepäck ansammelnder Memorabilia. Nach längerer Pause erschien 2020
das Album
All
, an dessen verspulte Variante von Krautrock die Neuerscheinung
Objects, Beings and Parrots
einerseits anschließt, sich andererseits aber in bester
eklektischer Tradition weiter in allerlei Genregefilde vortastet, ohne je den roten
Faden zu verlieren. Multiinstrumentalist Georg Brenner und Schlagzeuger Jan
Philipp Janzen schlagen neun Tracks lang eine Fährte durch das Referenzgewusel
(siehe an dieser Stelle auch die Covercollage aus Fliesenkatalog, Retro-
Serviervorschlag und Archäologielehrbuch), die beim Zuhören ein wohliges Gefühl
von Mitgenommenwerden erzeugt - bei aller Verweigerung einer klaren
musikalischen Kategorisierung der Band.
So rollt etwa der Opener
Abacus
mit Drum Machine und kleinen Schnörkeln in der
Gitarre los und verweist schon im Titel auf eine Verwurzelung im mechanisch
voranklickernden Motorik-Sound des Krautrock der ersten Generation. Sodann wird
ein erster Haken geschlagen und der Track zu einem groovenden Jam mit
zunehmend dichterem Sound, jaulenden Gitarren und dem bandtypischen Gesang
aus kurzen Phrasen, der mitunter an 90er-Noiserock erinnert. Als nächstes Objekt
am Wegesrand erscheint eine Waschmaschine, hier manifestiert in Form einer
Schichtung breiter Synthiesounds, ausbrechender Drums, verzerrter Gitarren und
einem in stakkatohaftem Husten endenden Gesang als rüttelnder und schüttelnder
Trip in einen Kosmos aus sich verselbstständigender Maschinerie und wohltuender
Umarmung des Unperfekten. So wandlungsfähig geht es weiter, mal in Form von
leierndem Retrofuturismus (
Fame & Fortune
) mal als überraschend melodischer
Akustikpop inklusive waldigem Blechbläsersolo (
Jaki’s Love Time
) und immer wieder
in der Verwebung fein gearbeiteter rhythmischer Wiederholungen mit klanglichen
Experimenten. Die
Objects, Beings and Parrots
bilden in diesem Strom vage Bilder,
Orientierungs- und Haltepunkte, einerseits als wiedererkennbare Elemente aus Pop-
und Kunstgeschichte, andererseits so flüchtig und abstrakt wie der gleichnamige
Track.
Hörbar ist die entschleunigte Entstehungszeit des Albums: Nach einer längeren
Schreibphase wurden die Stücke im MARS-Studio in der Abgeschiedenheit der Eifel
in mehreren Sessions aufgenommen. Das Ergebnis ist eine so in sich geschlossene
wie trippige Feier des Weitermachens, eine andauernde Bewegung, die das
Innehalten nicht ausschließt und den gelegentlichen Blick in den Rückspiegel
vorschlägt.



